Leitfadeninterview in der Masterarbeit einsetzen

Das Leitfadeninterview ist eine beliebte Methode, um in der Masterarbeit qualitativ zu forschen. Es sollte jedoch nicht unbegründet eingesetzt werden und einen Bezug zur Thematik der Masterarbeit haben.

In vielen Fachbereichen werden in der Forschung qualitative Methoden eingesetzt, um zu Erkenntnissen zu gelangen. Eine beliebte Form der qualitativen Forschung ist das Leitfadeninterview. Auch in der Masterarbeit, die dem Zweck dient, neue Erkenntnisse für die Forschung bereitzustellen, bietet sich dieses Verfahren an. Bevor Sie ein Leitfadeninterview durchführen, sollte dieses detailliert geplant und vorbereitet werden – nur wenn ein thematischer Bezug zum Gegenstand der Masterarbeit vorliegt und sich die Verwendung des Leitfadeninterviews aus der Fragestellung heraus begründen lässt, ist es sinnvoll, diese Forschungsmethode einzusetzen.

In diesem Beitrag informieren wir Sie über verschiedene Fragetypen sowie die Gestaltung und Durchführung eines Leitfadeninterviews für die Masterarbeit.

Das Leitfadeninterview in Kürze

Was ist ein Leitfadeninterview?

Bei einem Leitfadeninterview handelt es sich um eine qualitative Methode der Datenerhebung. Interviews, die in diese Kategorie der qualitativen Forschung fallen, sind mithilfe eines Leitfadens strukturiert aufgebaut.

In welchen Bereichen wird das Leitfadeninterview eingesetzt?

Das Leitfadeninterview kann eingesetzt werden, um aus den gewonnenen Erkenntnissen neue Hypothesen für die Forschung aufzustellen, um explorative Untersuchungen durchzuführen oder um einen Pretest für eine anschließende, quantitative Forschung zu machen.

Wie läuft das Leitfadeninterview ab?

Das Leitfadeninterview besteht aus 4 Schritten:

  1. Formulierung und Anordnung der Fragen
  2. Auswahl der Personen für das Interview
  3. Durchführung des Interviews (Datenerfassung)
  4. Auswertung des Interviews

Welche Vorteile bietet das Leitfadeninterview?

Welche Nachteile hat das Leitfadeninterview?

Was ist ein Leitfadeninterview?

Das Leitfadeninterview gehört zu den Verfahren der qualitativen Forschung, die am häufigsten durchgeführt werden. Insbesondere bei einer Abschlussarbeit wie der Masterarbeit versprechen sie einen hohen Erkenntnisgewinn, auf dem sich beispielsweise weitere Forschungen aufbauen lassen.

Grundsätzlich versteht man unter einem Leitfadeninterview zunächst eine Befragung, die mithilfe eines Leitfadens durchgeführt werden. Dieser liegt dem Interviewer während der Befragung vor und gibt den Verlauf des Interviews vor. Er hat die Funktion einer Gedächtnisstütze und bietet dem Interviewer eine Orientierungsmöglichkeit, die vor allem bei aufeinander aufbauenden Fragen sinnvoll eingesetzt werden kann. Neben den einzelnen Fragen enthält der Leitfaden auch Hinweise darauf, wie von einer Frage zur nächsten übergeleitet werden kann.

Ein Vorteil des Leitfadeninterviews ist, dass das Gespräch – bedingt durch die vorgegebenen Fragen – weitgehend strukturiert verläuft. In der nachfolgenden Tabelle finden Sie die zentralen Merkmale des Leitfadeninterviews:

 

Merkmal

Bedeutung

Zurückhaltung

Der Forscher/Interviewer übt sich beim Leitfadeninterview in Zurückhaltung. Diese Form des Interviews dient dazu, die Meinung des Befragten einzuholen.

Offenheit

Durch die offene Frageform ermöglicht das Leitfadeninterview Erkenntnisse, die nicht im Vorfeld erwartet wurden. Weil der Forscher den Befragten ausführlich zu Wort kommen lässt, bringt diese Form des Interviews auch unerwartete Informationen.

Flexibilität

Obwohl der Interviewer einen Leitfaden vorliegen hat, kann er flexibel und individuell auf die Antworten des Befragten eingehen, also z. B. Rückfragen stellen oder um Erläuterung des Gesagten bitten.

Prozesshaftigkeit

Es geht im Leitfadeninterview um mehr als nur die Inhalte der Antworten auf die Fragen. Im Verlauf wird deutlich, welche Deutungs- und Handlungsmuster der Befragte verfolgt.

Datenbasierte Theorie

Es geht dem Leitfadeninterview nicht darum, Theorien oder Hypothesen zu überprüfen. Vielmehr dient es dazu, neue Theorien zu entwickeln.

 

Ein Leitfadeninterview erstellen

Bevor ein Leitfadeninterview durchgeführt werden kann, muss zunächst einiges an Vorarbeit geleistet werden. Um den Interviewleitfaden zusammenzustellen, benötigen Sie Kenntnisse innerhalb Ihres Forschungsgebietes. Zu den wichtigsten Voraussetzungen für die Erstellung eines Leitfadeninterviews gehören deshalb eine ausführliche (Literatur-)Recherche sowie die Entwicklung einer zentralen Fragestellung für die Masterarbeit.

Das Thema des Leitfadeninterviews selbst ergibt sich aus der Thematik und der Fragestellung der Masterarbeit. Dabei sollte beachtet werden, dass der Leitfaden einerseits strukturiert, andererseits weitgehend flexibel und offen gestaltet wird. Eine gute Balance zwischen diesen Polen ermöglicht eine gewisse Vergleichbarkeit mehrerer Interviews, lässt dem Befragten aber auch die Freiheit, seine Alltagserfahrungen detailliert dazustellen.

Auf die folgenden Punkte sollte Sie bei der Erstellung Ihres Leitfadeninterviews achten:

Gestaltung des Leitfadeninterviews: Fragen formulieren

Das Leitfadeninterview führt den Befragten mithilfe von offenen Fragen durch eine bestimmte Thematik, zu der sich der Interviewer neue Erkenntnisse erhofft. Daten, die sich für die Sozialforschung als nützlich erweisen und auf den Gegenstand der Masterarbeit Bezug nehmen, können jedoch nur erhoben werden, wenn die Fragen entsprechend gestellt werden.

Grundsätzlich bietet die Verwendung von offenen Fragen dem Befragten die Möglichkeit, Antworten zu geben, die über reine Fakten hinausgehen und seine persönliche Meinung widerspiegeln. Geschlossene Fragen dagegen geben die möglichen Antworten des Befragten bereits vor; das führt häufig dazu, dass der Befragte über die vorgegebene Antwort hinaus keinerlei Informationen bereitstellt. Eine offene Frage dagegen animiert ihn dazu, detaillierter Auskunft zu geben und dabei auch seine persönliche Meinung zu formulieren.

Neben der offenen Frage können im Leitfadeninterview weitere Fragetypen eingesetzt werden. Eine Übersicht bietet die folgende Tabelle:

 

Art der Frage

Zweck/Ziel

Beispiel

Offene Frage

Lässt den Befragten erzählen.

Fragewörter wie Was?, Wer?, Wie?, Wann?, Wo?, Wofür?, Wodurch?

Erzählimpuls

Wird durch den Interviewer gegeben, wenn das Gespräch ins Stocken gerät. Auch am Anfang des Interviews sinnvoll, um einen Einstieg zu finden.

Gab es einmal eine Situation, in der Sie...?, Erzählen Sie mir von...

Aufrechterhaltungsfrage

Rückfrage, um an das zuletzt Gesagte anzuknüpfen, das Gespräch in Gang zu halten oder Informationen zu einem bestimmten Gesichtspunkt zu erhalten.

Und dann?, Wie ging es weiter?, Wie haben Sie das empfunden?

Steuerungsfrage

Sammlung gezielter Informationen oder Zurücklenken des Gesprächs auf die Grundthematik.

Mich interessiert in diesem Zusammenhang, ..., Haben Sie ein Beispiel dafür?, Können Sie das genauer beschreiben?

Konfrontation

Aufzeigen von (scheinbaren) Widersprüchen.

Vorhin haben Sie gesagt, dass...

Wunderfrage

Wenn sich das Gespräch zu lange um ein Problem dreht, Hinwendung zu möglichen Lösungen.

Stellen Sie sich vor, jemand hätte dieses Problem gelöst – woran erkennen Sie, dass es gelöst wurde?

Zirkuläre Frage

Eröffnung neuer Sichtweisen, Veränderung der Perspektive.

Was würde X davon halten/dazu sagen?

Paradoxe Frage

Verdeutlichung der Problematik.

Was müsste geschehen, um es noch schlimmer zu machen?

Paraphrase/Widerspiegeln

Fortführen oder Ergänzen des zuvor Gesagten.

Verstehe ich richtig, dass Sie...?, Denken Sie, ...?, Wenn ich Sie richtig verstanden habe...

 

Durchführung eines Leitfadeninterviews

Um ein Leitfadeninterview durchzuführen, sind insgesamt vier Arbeitsschritte notwendig. Wie Sie dabei vorgehen, verraten Ihnen die folgenden 4 Schritte.

Schritt 1: Formulieren und Sortieren der Fragen

Ausgehend von der Forschungsfrage werden mögliche Fragen für das Interview gesammelt, sortiert und nach ihrer Relevanz gewichtet. Die Forschungsfrage selbst sollte jedoch nicht gestellt werden. Achten Sie darauf, nicht zu viele Fragen zu stellen. Auch geschlossene sowie Entweder-oder-Fragen haben in einem Leitfadeninterview nichts zu suchen.

Um Ihre Ergebnisse vergleichbar zu machen, sollten Sie zudem relevante, persönliche Fragen stellen, z. B. nach Herkunft, Alter, Geschlecht, Wohnort oder Bildungsstand.

Schritt 2: Auswahl der Personen

Die Personen, die im Leitfadeninterview befragt werden, sollten nach bestimmten Gesichtspunkten ausgewählt werden. So kann die Auswahl eher eng oder breit gehalten sein, z. B. nach Geschlecht, Alter oder Bildungsstand. Menschen, die eine besondere Verbindung zum Gegenstand der Masterarbeit haben, sollten eher befragt werden als rein zufällig ausgewählte. Doch auch Fälle, die zunächst keinen direkten Bezug aufweisen, können zu unerwarteten Erkenntnissen führen.

Schritt 3: Gewinnung und Erfassung von Daten

Bevor Sie das Interview durchführen, sollten Sie einen geeigneten Raum dafür finden. Dieser ist im Idealfall ruhig und bietet dem Befragten eine vertraute Umgebung. Wenn Sie das Interview aufzeichnen möchten, müssen Sie eine Einverständniserklärung bei dem Befragten einholen. Oftmals fällt es einem Befragten leichter, sein Interview aufzeichnen zu lassen, wenn Sie seinen Status als Experte klar herausstellen.

Sobald Sie die Aufnahme gestartet haben, sollten Sie sich ganz auf das Gespräch einlassen. Eine Anpassung an das Sprachniveau des Befragten hilft, eine vertrauensvolle, persönliche Basis herzustellen. Die Fragen sollten möglichst neutral gestellt werden, um eine vorzeitige Wertung zu vermeiden. Um dem Befragten das Gespräch so leicht wie möglich zu machen, sollte immer nur eine Frage auf einmal gestellt werden.

Schritt 4: Auswertung und Analyse der Daten

Um die erhobenen Daten im Anschluss an das Interview auswerten zu können, sollten Sie zunächst ein Transkript erstellen. Dieser Abschnitt des Leitfadeninterviews ist sehr zeitaufwendig, aber besonders wichtig. Sind die Daten erst einmal sortiert und kategorisiert, können Vergleiche gezogen und Erkenntnisse abgeleitet werden. Der letzte Abschnitt ist dann die Visualisierung der Ergebnisse in Form von Tabellen oder Grafiken.

Welche Arten von Leitfadeninterviews gibt es?

Typischerweise ist das Leitfadeninterview halb-standardisiert. Es gibt die Reihenfolge der Fragen in einer groben Struktur vor, lässt aber gleichzeitig Raum für Interpretation, Rückfragen und detaillierte Exkurse.

Innerhalb des Leitfadeninterviews gibt es jedoch auch Abweichungen von dieser Regel. Je nachdem, wie stark das Interview strukturiert ist, kann es sich auch um ein voll-standardisiertes oder nicht-standardisiertes Interview handeln:

Leitfadeninterview – Vor- und Nachteile

Als qualitative Forschungsmethode bringt das Leitfadeninterview sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich. Anders als bei einer quantitativen, objektiv messbaren Methode tendieren die Ergebnisse eines qualitativen Interviews dazu, den Gegenstand der Forschungsfrage zu beeinflussen.

Weil die Ergebnisse Ihrer Masterarbeit bei der Verwendung von Leitfadeninterviews sehr von den individuellen Fällen beeinflusst werden, ist es besonders wichtig, die Durchführung und Auswertung der Interviews für andere Forscher übersichtlich und nachvollziehbar zu gestalten. Die Wahl des Leitfadeninterviews sollte schon zu Beginn der Masterarbeit gut begründet werden.

Die Vor- und Nachteile des Leitfadeninterviews haben wir in der folgenden Tabelle zusammengefasst:

 

Vorteile

Nachteile

Der Leitfaden bietet eine Hilfestellung bei der Vorbereitung und Orientierung während des Interviews.

Sowohl der Interviewer als auch der Befragte werden gefordert.

Das Interview kann trotz Leitfaden flexibel durchgeführt werden.

Der Interviewer muss versuchen, sich nicht sklavisch an den Leitfaden zu klammern.

Der Befragte wird durch die offene Fragestellung nicht in seiner Haltung beeinflusst.

Die Ergebnisse lassen sich nur schlecht miteinander vergleichen.

Je strukturierter der Leitfaden, desto besser ist die Vergleichbarkeit.

Durch seine Fragen kann der Interviewer den Befragten beeinflussen.

Das Interview verspricht einen hohen Erkenntnisgewinn und konkrete Aussagen.

Durch das Hin und Her von Fragen und Antworten wird möglicherweise kein Vertrauen zwischen Interviewer und Befragtem aufgebaut.

 

Da das Leitfadeninterview sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringt, ist es für eine erfolgreiche Masterarbeit von besonderer Wichtigkeit, die Wahl des Interviews als Methode zu begründen. Eine qualitative Untersuchung muss stets genau begründet werden. Die folgenden Aspekte können zur Bestätigung des Leitfadeninterviews herangezogen werden:

Zusammenfassung

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